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Eispaddeln auf der Ems

Paddeln zwischen Eisschollen

(03.02.2012)  Heute am 3. Februar wollte ich den Winter in vollen Zügen genießen. Also holte ich mein Kajak raus, kochte mir eine Thermoskanne heißen Ingwertee mit Honig und schon ging es los. Mit dem Bootswagen ging es zur Ems. Hier wurde erst einmal die Lage gecheckt. Der Eisgang war zwar stark, aber noch nicht so stark, dass man nicht paddeln konnte. An der Uferkante hatte sich eine dicke Lage Eis an den frisch vom WSA-Meppen aufgeschütteten Steinen gebildet; Ungünstig, aber machbar. Nachdem ich meine Spritzdecke – sie dichtet die Sitzluke ab – und meine Schwimmweste angezogen hatte ging es ans Einsteigen. Auf dem glatten Eist nicht ganz einfach, aber alles klappte gut. Erst mal im Boot, sicherte ich mein Paddel mit einer Leine und zog die Spitzdecke über die Einstiegsluke. Zum Schluss zog ich meine guten alten Fell-Fausthandschuhe an, und schon gings los. Da ich in einer Außenkurve gestartet war, schob sich hier ziemlich viel Eis entlang. Ich musste also erst einmal zwischen den Eisschollen hindurch in freies Wasser. Hier ging es super voran. Sogar das Skek – eine Art Flosse hinten unterm Boot – ließ sich problemlos ausfahren, obwohl es zuhause noch eingefroren war. Plötzlich hörte ich von hinter mir Motorendröhnen. Ich schaute mich um und sah ca. 300m entfernt den Eisbrecher „Eisvogel“ gegen die Strömung die Ems hochfahren. Ich wendete mein Boot, so dass ich dem Eisbrecher entgegenfuhr. So lassen sich Wellen und eventuell auf mich zukommende Eisschollen besser bewältigen. Als der Eisbrecher noch ein ganzes Stück entfernt war, bemerkte er mich und verlangsamte seine Fahrt. Eine nette Geste, die für mich auf jeden Fall mehr Sicherheit bedeutete. Im Vorbeifahren machte ich ein paar Fotos und winkte dem Kapitän freundlich zu. Als der „Eisvogel“ passiert war, wendete ich erneut und setzte meine Fahrt stromauffwärts fort. Auf der B70-Brücke stand meine Frau mit der Kamera und machte noch ein paar letzte Fotos von mir, bevor ich unter der Brücke durch verschwand.

Eispaddeln auf der Ems
Eispaddeln auf der Ems
Eispaddeln auf der Ems

Eispaddeln auf der Ems (43)


Eigentlich hatte ich vor, durch den Dortmund-Ems-Kanal (DEK) in die Hase zu fahren. Aber im Bereich der Hubbrücke stauten sich so viele Eisschollen, das mir das Risiko zu hoch erschien. Der ungünstigste Fall wäre gewesen, wenn mich ein Frachtschiff in dem Moment passiert hätte, als ich zwischen dicken Eisschollen gesteckt und nicht hätte ausweichen können. Ein absolutes No-Go. Also fuhr ich wieder in die Ems hinein und nahm Kurs auf Rühle. In den vergangenen Tagen waren auf der Ems lediglich Eisschollen unterwegs, die aus dem DEK kamen. Das war heute anders. Durch den Starken Frost – es war immer noch 8° unter Null – bildete sich auf der Ems auch immer mehr Eis. Die Eiskristalle werden durch das fließende Wasser mitgenommen und verklumpen miteinander. Dadurch bildet sich keine Eisschicht wie bei einem stehenden Gewässer, sondern es entstehen immer größer und vor allem dicker werdende Eisbrocken, die sich gegeneinander reiben und teilweise von der Strömung übereinander geschoben werden. Heute kam noch Schnee hinzu und so waren die Eisbrocken von einem weißlichen Schneebrei umgeben. Das ganze war aber noch nicht hart, und schob sich beim Durchfahren lautlos auseinander. Nur ab und zu war mal eine richtige Eisscholle dabei. Das knirscht kann ein wenig am Bug, aber meist brechen sie in zwei Teile und man kommt gut durch. Die Landschaft war natürlich ein Traum. Überall am Ufer hatten sich kleine Kunstwerke aus Eis gebildet. Aus dem Wasser ragende Pfähle waren mit Eis und Schnee überzogen und an sandigen Uferstellen konnte man gut die Spuren des sich zurückziehenden Hochwassers erkennen. Ich fuhr bis etwa zum Aussichtsturm am Rühler Sommerweg. Dort ließ ich mich eine Weile vom Eis mit zurücktreiben während ich meinen Ingwertee trank.
Trotz des strengen Frostes war mir aber kein bisschen kalt. Ich hatte mich warm angezogen. Die Schicht direkt auf der Haut war eine Wärmeschutzkleidung. Diese ziehe ich im Winter grundsätzlich drunter, weil man schließlich nicht zu hundert Prozent garantieren kann, dass man nicht ins Wasser fällt. Für den Fall muss einen die Kleidung – ähnlich wie ein Neoprenanzug – so warm halten, dass man das Ufer erreichen, sein Kajak bergen und sich umziehen kann. Im Kajak führe ich immer einen kompletten Satz warmer Kleidung mit für den Fall der Fälle. Die „Kenterwäsche“ kam heute aber nicht zum Einsatz. Als ich auf dem Rückweg unter der Emsbrücke durchfuhr, winkte mir noch ein kleines dick eingemummeltes Kind zu. Ich winkte mit meinem Paddel zurück und schon war ich im Endspurt. Einmal musste ich die Eispackung noch durchqueren, um „mein“ Ufer zu erreichen. Vorm Aussteigen warf ich erst eine lange Sicherheitsleine ans Ufer. Sollte man auf dem glatten Eis am Ufer ausrutschen und dabei das Boot in den Fluss stoßen, so kann man es mit der am Ufer liegenden Leine noch einfangen. Die Alternative wäre ein Schwimmgang, und danach war mir heute wirklich nicht, jedenfalls nicht in der Ems. Alles in Allem muss ich sagen, war es eine unglaublich schöne und interessante Fahrt. So manch einer mag jetzt vielleicht denken „muss man das haben, im Winter paddeln?“ Für mich heißt die Antwort auf jeden Fall „Ja!“. Das Wasser hat auf mich schon immer eine magische Anziehungskraft gehabt. Und wenn die Bedingungen mal ein wenig extremer sind, dann macht es umso mehr Spaß. Aber Sie haben Recht. Man sollte absolut wissen was man tut, sonst hat man hier im Winter nichts verloren!

Kommentare

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03.02.12, 17:21 Uhr

klasse geschrieben - hab den Bericht gern gelesen


Einzeln sind wir Worte - zusammen ein Gedicht.
(Georg Bydlinski)

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    03.02.12, 17:49 Uhr

    Lieber Eispaddeler, super Bericht obwohl ich mit Element Wasser nicht befreundet bin und mit Boot oder ähnlich erst recht nicht, habe wie gebannt Dein Abenteuer gelesen. Nur gut das Dich die "Ems-Eisbären" nicht aufgefressen haben!


    Mein Leben ist wie ein Buch, indem es noch viele unbeschriebene Seiten gibt!

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      03.02.12, 17:59 Uhr

      Interessanter Bericht,
      habe die Eisschollen heute gesehen.
      Ganz schön mutig.
      Liebe Grüße Ingrid


      Externes Bild
      Toleranz ist eine Tugend
      die Frieden schafft.

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        03.02.12, 18:04 Uhr

        Ein sehr interessanter Artikel. Hat mir Spaß gemacht , ihn mit Spannung zu lesen. Ich finde, solche Abenteuer gehören zum Leben

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          03.02.12, 20:19 Uhr

          Vater Courage?
          Gut, dass Du es uns erzaehlen kannst und die aufmerksame
          Ehefrau alles kontrollierte (?).
          BRRRRRRRRRRRRRRRRR
          Man sollte wissen, was man tut.
          Barbara


          Die Philister, die Beschraenkten, diese geistig Eingeengten, darf man nie und nimmer necken.
          Weite, kluge Herzen wissen stets in unseren Scherzen Lieb und Freundschaft zu entdecken

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            03.02.12, 20:29 Uhr

            Eispaddeln sehr interesant ! Du hast dich bestimmt warm gearbeitet. und wie viel KM waren das denn wohl. Wenn die Strecke so lang war ,wie dein toller Bericht ,dann hast du sicher viele KM gefahren . Na ja, ganz schön mutig

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              03.02.12, 23:07 Uhr

              Habe mit Interess Deinen Bericht gelesen. Ist doch mal was anderes, bei diesen Temperaturen zwischen den Eisschollen zu paddeln. Macht richtig Abenteuerlust! Solltest Dich mal bei Inuit-Völkern (eskimos) erkundigen.
              Aber ansonsten,,,,,gefällt mir sehr ...Dein Bericht! Hast einen neuen Freund gewonnen!


              Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden.

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                04.02.12, 00:08 Uhr

                Sehr schön geschriebener Bericht, die Bilder habe ich mir ja bereits angesehen.

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