(19.01.2012) Kunstobjekt wieder auf Kreisel
Von Klaus Dieckmann
Sögel. Zur Frühstückspause der Bauhofmitarbeiter „grasten“ auch die zehn blauen Schafe auf dem Innenbereich des Kreisverkehrsplatzes in der Ortsmitte von Sögel. Schon in den frühen Morgenstunden hatten sich gestern die Männer um Bauhofleiter Bernhard Ostermann aufgemacht, um das Kunstobjekt wieder herzurichten, dass unbekannte Täter über die Weihnachtsfeiertage zerstört hatten.
„Wir werden hier noch einige Zeit zu tun haben“, wiegelt Ostermann kurz nach 9 Uhr ab, das Werk sei bereits vollendet. Zwar seien alle Schafe an den Fundamentplatten im Innenrund befestigt, doch der Feinschliff und die Reinigung der Kunstrasenabdeckung brauchten auch noch ihre Zeit. So gegen Nachmittag, meint Ostermann, präsentiere sich die kleine Herde mit den blauen Kunststoffschafen wieder in altem Glanz.
Gegenüber ihren Vorgängern bringen die rund 60 Zentimeter hohen Figuren derweil eine gehörige Portion mehr an Gewicht auf die Waage. Ostermann: „Wir haben den Körper über die Öffnung im Bauch mit Beton ausgegossen.“ Etwa 35 Kilo ist jedes Schaf nun schwer. Darüber hinaus sei auch die Verankerung verstärkt worden, berichtet Ostermann weiter.
Von den Vandalen, von denen bislang noch jede Spur fehlt, waren über Weihnachten drei Schafe zerstört worden. Die sieben Unbeschädigten kehrten mit gefülltem Betonbauch zurück an ihren angestammten Platz. Drei Figuren zum Preis von rund 250 Euro musste die Gemeinde allerdings beim Kölner Künstler Rainer Bonk nachbestellen, um die Herde wieder zu komplettieren.
Bürgermeisterin Irmgard Welling: „Eine Reihe von Bürgern hat unaufgefordert Geldspenden im Rathaus abgegeben, um die Neuanschaffung zu unterstützen.“ Nicht nur diese Gesten hätten gezeigt, dass die Sögeler die Ende November zur Fertigstellung des Kreisels aufgestellten blauen Schafe lieb gewonnen hätten.
Und, so sagt Welling: „Die Diskussion über die Friedensschafe hat eine neue Qualität gewonnen.“ Anfangs sei vorrangig die ins Auge stechende blaue Farbe ein Thema gewesen. Jetzt bestimme zunehmend die inhaltliche Botschaft, die Künstler Bonk mit seiner Blauschäferei vermitteln will, die Gespräche. Denn Toleranz gegenüber Menschen, die von einer anderen Kultur geprägt sind und die als Gäste oder Neubürger in den Ort kommen, sei eine wesentliche Voraussetzung, um ein friedliches Zusammenleben zu gestalten. Somit stellten die blauen Schafe auch ein Zeichen für die Offenheit der Menschen in Sögel dar.
Die beiden roten Schafe, die über einige Tage als Ersatz eingesprungen waren, sind indes vergangene Nacht von den Besitzern wieder in heimische Gefilde verfrachtet worden, um Platz für die blauen Originale zu machen.
Aus der Ems-Zeitung vom 19. Januar 2012