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Knöpfe drehen und Regler schieben für den guten Sound

Gefühlt Tausend Regler und Knöpfe muss Wolfgang Albers beherrschen.

(09.08.2011)  „Das ist es, so und nicht anders!“ Entspannt dreht Musikproduzent Wolfgang „Buffy“ Albers an einen der gefühlt tausend Knöpfe, die vor ihm auf einem 3,5 Meter breiten Mischpult im Tonstudio in Meppen angebracht sind, immer dabei den Monitor im Blick und den Klang des Schlagzeugs hörend. Vor jetzt genau 30 Jahren schaffte sich Albers seinen ersten Synthesizer an. Damit begann seine Karriere als, wie er sagt, Knöpfchendreher, vor allem aber als Produzent diverser Ton- und Musikproduktionen.
Gerade noch hat Podgorny-Drummer Ludger Becker auf seinem Schlagzeug gespielt, immer wieder verschiedene Trommeln ausprobiert, die Klangfarben geändert, stets nach Regieanweisung. „Für Laien mag es gleich klingen, aber das bessere Gefühl bei einem hörbar besseren Klang erleben auch Laien. Das ist es, was ich erarbeiten möchte, denn nur Musik, die ein gutes Gefühl entwickelt, Spaß macht und Lust auf mehr macht, lässt sich am Ende verkaufen“, beschreibt Albers seine Tätigkeit und hantiert weiter an einen der vielen Knöpfe und Regler. Schlagzeuger Becker nimmt sich derweil eine Auszeit und trinkt eine Flasche Wasser in ex leer. „Sport ist nichts gegen einen Tag im Tonstudio“, lacht er.
Die Produktion der neuen CD der Band Podgorny ist für Albers nur ein kleiner Teil seiner täglichen Arbeit. Von der Erstellung von Werbefilmmusiken weltweit bekannter Unternehmen wie etwa Beiersdorf und der Telekom bis zum Mischen der Musik auf regionalen und überregionalen Veranstaltungen reicht sein Arbeitsspektrum. Angefangen hatte alles mit dem Erwerb des ersten Synthesizers 1981. „Meine Liebe zur Musik, zum eigenen Komponieren trieb mich dazu, also eignete ich mir selbst an, ein Tonstudio zu führen.“ Dabei sah er zahlreichen Profis in ganz Deutschland über die Schulter, gründete Bands oder beispielsweise die Viersener Musikinitiative, die bis heute mehrere hundert Mitglieder zählt. Später zog es den gebürtigen Lathener dann zurück ins Emsland, wo er als Produzent der damaligen Gruppe Swamphead große regionale Erfolge feierte. Aus dieser Gruppe formierte sich übrigens später die Berliner Band El*ke, die deutschlandweit Erfolge feierte.
„Besonders interessant war aber die weltweit einmalige Aufzeichnung der kompletten Bibel durch Laienleser in Hamburger Kirchen auf DVD. Da konnte ich meine Erfahrungen im Bereich Sprachaufnahmen und Audioschnitt erweitern“, erzählt Albers von einer ganz anderen Seite seines Berufes. So mischte er beispielsweise auch Konzerte von Joshua Kadison, den Natural Born Hippies und Right Said Fred live für das Fernsehen.
Abgeschlossen sind die Vertonungsarbeiten zur neuen Gedenkstätte Esterwegen für das Dokumentation und Informationszentrum (DIZ) in Papenburg. Über 70 alte Kassetten mit Interviews von ehemaligen Lagerhäftlingen wurden restauriert, archiviert und aufbereitet. Es ist geplant, dass nach der Eröffnung der Gedenkstätte sich die Besucher die Interviews an verschiedenen Plätzen in der Gedenkstelle anhören können. Albers Tätigkeit in diesem Bereich Aufbereitung des Klanges, Anpassung der Lautstärken und das Herausarbeiten der Sprache, was aufgrund verschiedener Charaktere, Aufnahmesituationen und jeweils verschiedener Umfelder schwierig war. „Das Lösen dieser Probleme macht am meisten Spaß, weil es so anspruchsvoll ist“, erklärt Albers und fügt mit einem Augenzwinkern in Richtung Ludger Becker hinzu: „Aber auch das Mischen und Produzieren von Rockmusik ist alles andere als einfach.“ Der Angesprochene hat sich bereits wieder hinters Schlagzeug platziert, seine Kopfhörer aufgesetzt und konzentriert sich auf die nächste Nummer.
„Klar macht das Musikmachen Spaß, weil die meisten Musiker locker und ausgeglichen drauf sind“, beschreibt Albers die entspannte Atmosphäre, „allerdings schreite ich gern mal ein, wenn es zu locker wird, und der nötige Ernst verloren geht.“ Den braucht es, meint der Musikproduzent, um professionelle Aufnahmen zu erhalten. Gerade Anfängerbands seien angewiesen auf gute Produktionen im Tonstudio, um sich damit bei Musikverlagen zu bewerben. „Es bedarf leider mehr um unter Vertrag genommen zu werden, als nur einen guten Song oder gar einer ganzen Ansammlung selbstkomponierter Lieder schnell im Probekeller aufzunehmen und zum Verlag zu senden.“ Viele Musikverlage erhalten täglich zigfache Bewerbungen, dabei entscheidet, ähnlich wie bei der Berufsbewerbung, bereits der erste Eindruck - der Blick auf die CD - darüber, ob man sich überhaupt die Musik anhört. „Ein interessantes Layout auf der CD-Hülle, dann noch eine CD entsprechend beschriftet, ist die halbe Miete“, ist sich Albers sicher. Jedoch kommt nun das zweite Problem. Verleger hören sich selten mehrere Songs an, vor allem nicht, wenn diese grob aufgenommen wären. „Da kann die Musik noch so gut sein, ist sie schlecht aufgenommen sinken die Chancen Gehör zu finden.“ Hier gibt Albers den Tipp, sich mit professionellen Musikproduzenten zusammenzusetzen. Die Angst vor zu hohen Kosten kann er auch gleich nehmen. „Mit Einführung der günstigen Digitaltechnik und der Vermarktung von Musik über das Internet starben viele große Studios Ende der 90er, das Budget für große Produktionen war einfach nicht mehr vorhanden, die Studiomieten fielen stark und sind nun durchaus für junge Bands bezahlbar.“ Zudem rät Albers seinen Kunden, lieber nur 2-3 Lieder professionell aufzunehmen, als eine komplette CD. „Ist erst der Musikverlag auf den Geschmack gekommen, beauftragen sie ohnehin einen Produzenten für weitere Songs.“ In diesem Fall sei man aber schon relativ weit.
Ein anderer Weg, um Plattenverträge zu bekommen, ist der, live auf der Bühne entdeckt zu werden. „Rockt eine Band wiederholt auf Konzerten die Menge, so kommt man dem erhofften Kontrakt sicherlich nahe“, weiß Albers, fügt aber hinzu, dass es im Emsland äußerst schwer ist, überhaupt die Plattform dafür zu bekommen. Auftritte in Jugendzentren und auf kleinen Partys lockten seiner Meinung nach stets ein festes Publikum und dies dazu noch im relativ übersichtlichen Rahmen. Die Musikverlage aber suchen eher Bands, die Erfahrung mit breitem Publikum haben und diese auch ansprechen. „Das geht nur über das Spielen auf Konzerten, beispielsweise als Vorband vor großem Publikum.“ Problematisch sieht Albers in diesem Zusammenhang, die momentane Praxis zahlreicher Veranstalter von Musiktagen und Stadtfesten, stets Bands teuer von weither zu buchen, als auch den eigenen regionalen Musikern, insbesondere dem Nachwuchs eine Plattform zu bieten. „Profitgründe spielen hier kaum eine Rolle, bedenkt man, dass doch gerade heimische Bands immer eigenes Publikum mit sich ziehen, würde jede Kneipe auch mit diesen Musikern schnell gefüllt“, ist sich der Harener sicher, während er auf den Monitor schaut. Der zeigt die Klänge des Podgorny-Drummers in Wellenform. „Versuch´s mit der Hit Hat, gib ein bisschen mehr Gas“ feuert er Becker an“, und schiebt einen Regler vorsichtig hoch. Sein Grinsen belegt jedoch, dass er mit dem Sound bereits zufrieden ist. „Trotz aller Technik, die Musik findet immer noch vor dem Mikrofon statt, darauf kommt es letztendlich an“, verschweigt er nicht, dass ein gewisses Talent vorhanden sein muss, und dreht erneut an den Knöpfen.
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